
Winfried, pensionierter Musiklehrer mit Hang zu skurrilen Scherzen, lebt allein mit seinem alten Hund in der deutschen Provinz. Seine Tochter Ines hat es in die große Welt geschafft. Als erfolgreiche Unternehmensberaterin arbeitet sie in Bukarest, demnächst vielleicht in Shanghai. Sie sehen sich selten. Zu sagen haben sie sich nicht viel, denn auch bei ihren seltenen Treffen hängt Ines nur am Telefon. Winfried fragt sich, ob sie wirklich glücklich ist. Und nachdem sein Hund gestorben und sein letzter Musikschüler ihn verlassen hat, beschließt er, nach dem Rechten zu sehen und seine Tochter in Bukarest mit einem Besuch zu überraschen. Aber auch hier wimmelt Ines ihn ständig ab oder schleppt ihn widerwillig mit zu Geschäftsterminen. Der Besuch ist ein einziges Missverständnis, ein Glück, dass Winfried nach dem Wochenende wieder abreist – allerdings nur, um als sein Alter Ego Toni Erdmann sogleich wieder aufzutauchen. Mit hervorstehendem Gebiss und wilder schwarzer Perücke mischt er sich hartnäckig und nonchalant in das Geschäfts- und Privatleben seiner Tochter ein und bringt mit seiner unberechenbaren Art und seinem Charisma die Verhältnisse zum Tanzen.
Der Film ist eine beeindruckende schauspielerische Tour de Force von Sandra Hüller und Peter Simonischek, präzise konzipiert und inszeniert von Maren Ade mit einer Kamera, die dicht an den Protagonisten ist und einem Schnitt, der einen Moment länger als notwendig auf ihren Gesichtern verharrt und Emotionen und Irritationen nachwirken lässt. TONI ERDMANN ist ein Film, über den man Tränen lachen kann und der gleichzeitig viele Aspekte bietet, über die man nachdenken kann. Es ist ein Film für ein entdeckungsfreudiges Publikum, das Lust hat, auf allerlei Abwege und Umwege geführt zu werden und sich dabei immer wieder überraschen zu lassen. (FBW)