
Mit dem Projektauftakt am 13. März 2026 im Alten Tante-M-Laden in Enzklösterle ist „Leerstand vor Ort als Chance für Kultur“ erfolgreich gestartet. Für einen Tag wurde ein leerstehender Raum in einen lebendigen Kulturort verwandelt – mit Film, Ausstellung und Begegnung. Bereits am Vormittag fanden zwei Schulvorstellungen mit „Das fliegende Klassenzimmer“ (D 2023) und „Yuku und die Blume des Himalaya“ (B, F, CH 2022) für die Grundschülerinnen und Grundschüler statt, die mit großer Begeisterung aufgenommen wurden. Auch die Abendvorstellung mit dem Kinofilm „Global Player- wo wir sind isch vorne“ (D 2013) war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Parallel durfte sich das Publikum über die u.a. von Pilgerreisen inspirierten Werke der lokalen Künstlerin Jasmin Zabler freuen. Film, lokale Kunst und Publikum griffen ineinander und machten den temporären Kinoraum zu einem Ort des Austauschs und der Gemeinschaft. Ein Dank gilt allen Beteiligten in Enzklösterle, die diesen Auftakt ermöglicht haben – insbesondere Bürgermeisterin Sabine Zenker für die Unterstützung seitens der Gemeinde, der Künstlerin Jasmin Zabler für die begleitende Ausstellung, der örtlichen Feuerwehr für den Ausschank, der Familie Geißert sowie dem Ehepaar Knaus für die Bereitstellung der Räumlichkeiten im Alten Tante-M-Laden. Auf Initiative des Landes sowie des Filmbüros und der Kommunalen Kinos in Baden-Württemberg wurde 1986 das Kinomobil Baden-Württemberg e.V. gegründet. Finanziell getragen wird es seit rund drei Jahrzehnten durch die landeseigene MFG Filmförderung Baden-Württemberg. Übergeordnetes Ziel ist ein lokal verankertes Kulturangebot, einen Ort der Kommunikation und der Auseinandersetzung zu schaffen, mit Film als niederschwellige Kulturpraxis einen werte- und dialogorientierten, auch demokratiestärkenden Beitrag zu leisten. Als Kulturpartner im ländlichen Raum bringt das Kinomobil ein vielfältiges Programm aus aktuellen und künstlerisch anspruchsvollen Filmen in kinolose Gemeinden. Für das Kinomobil ist es immer auch ein Ziel gewesen, Aktivitäten vor Ort zu unterstützen, um möglichst dauerhaft kulturelle Angebote in kleineren Gemeinden zu etablieren. Durch die Initiative des Kabinettsausschusses Ländlicher Raum, gefördert durch das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) kann das Kinomobil mit dem Projekt „Leerstand vor Ort als Chance für Kultur“ nun auch diesen Schritt gehen: Leerstehende Räume werden zu kulturellen Treffpunkten – zu sogenannten „Dritten Orten“. Leerstand als Impuls - Kultur gemeinsam gestaltenDas Projekt knüpft an die historische Tradition der Wanderkinos an, die einst in Gasthäusern und Ladengeschäften Station machten, aber auch an die Gründungen der Filmclubs in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, aus denen oft Kommunale Kinos auch außerhalb der Metropolen entstanden. Leerstände oder aktuell nicht genutzte Räume werden dabei bewusst als Chance verstanden: Sie rücken Kultur in die Mitte der Kommune und regen dazu an, Räume neu zu denken. Entscheidend ist der partizipative Ansatz. Von der Planung über Genehmigungen bis zur Durchführung wird eine Pilot-Veranstaltung gemeinsam mit lokalen Akteurinnen und Akteuren realisiert. Ergänzend unterstützt jeweils eine „Patenkommune“ den Prozess, um Wissen und Erfahrungen zu teilen und über den Verlauf des Projekts ein landesweites Netzwerk aus Kulturinitiativen zu etablieren, welches den gegenseitigen Austausch und Unterstützung erleichtern soll. So entsteht nicht nur ein temporärer Kinoraum, sondern ein Impuls für nachhaltiges kulturelles Engagement vor Ort. Ziel ist es, das kulturelle Leben im ländlichen Raum zu beleben, Impulse für mögliche weitere Nutzungen zu geben und das gesellschaftliche und kulturelle Miteinander und Teilhabe zu fördern. „Wir wollen zeigen, welches Potenzial in leerstehenden Räumen steckt – nicht nur baulich, sondern vor allem gesellschaftlich. Wenn Menschen gemeinsam einen Ort für Kultur schaffen, entsteht mehr als eine Veranstaltung: Es entsteht Begegnung“, so die Projektleiterin Aline Schick. Wissenschaftliche Begleitung und nachhaltige PerspektiveDas Projekt ist bis Ende 2026 angelegt und umfasst insgesamt vier Veranstaltungen – verteilt über die ländlichen Regionen ganz Baden-Württembergs. Jede Veranstaltung wird von einer Patenkommune aus einer anderen Region begleitet, um Wissen, Erfahrungen und Netzwerke zwischen den Kommunen zu stärken. Darüber hinaus wird das gesamte Vorhaben wissenschaftlich von der Filmwissenschaftlerin und Soziologin Dr. Morticia Zschiesche begleitet. In Interviews, Bedarfsanalysen und vergleichenden Auswertungen werden Erfahrungen, Erfolgsbedingungen und Herausforderungen systematisch erfasst. Auf dieser Grundlage entsteht eine praxisorientierte Handreichung, die relevante Aspekte der Kulturarbeit im Leerstand bündelt und aufbereitet. Diese Handreichung soll Kommunen künftig als konkretes Werkzeug dienen – im Sinne einer „Hilfe zur Selbsthilfe“ – um eigenständig kulturelle Formate zu entwickeln, Leerstände als Dritte Orte zu aktivieren und bürgerschaftliches Engagement nachhaltig zu stärken. Der Auftakt in Enzklösterle hat bereits gezeigt, wie viel möglich ist, wenn lokale Akteurinnen und Akteure gemeinsam einen Raum gestalten – als Ausgangspunkt für weitere kulturelle Impulse im ländlichen Raum. Wir freuen uns auf die nächsten Schritte und die Zusammenarbeit mit weiteren Kommunen und lokalen Initiativen! Herzliche Grüße,Aline Schick Weitere Informationen:Kinomobil Baden-Württemberg e.V.Lange Straße 51, 70174 Stuttgartkonzepte@kinomobil-bw.de